FAQ über Islandreiten

Islandreiten

1. Haben alle Isländer die genetische Veranlagung zu Tölt und Pass?

2. Wie viel kostet ein Islandsattel?

3. Ist ein teurer Islandsattel immer besser?

4. Was ist der Unterschied zwischen Islandsätteln und Englischsätteln?

5. Welche Alternativen gibt es für Islandsättel?

6. Wie schwer darf der Reiter für einen Isländer sein?

7. Kann man Islandpferde dressurmässig/klassisch ausbilden?

8. Warum eignen sich allein Fliegendecken nicht als ausreichender Schutz vor Insektenstichen?

9. Haben Isländer, die in Deutschland geboren sind, weniger Ekzem als aus Island importierte Pferde?

10. Ist isländische Wolle kratzig?

1. Haben alle Isländer die genetische Veranlagung zu Tölt und Pass?

Hauptverantwortlich für die Tölt- und Passveranlagung ist das mutierte DMRT3-Gen. Die Mutation sorgt für eine entsprechende Kopplung der Nervenzellen im Rückenmark, die wiederum den schnellen Viertakt ermöglicht.

Erste Nachweise des „Gangpferde-Gens“ gehen auf 850 n. Chr. zurück, als das mutierte Gen das erste Mal bei zwei Pferden in England vorkam. Diese zwei Pferde haben das „Gang-Gen“ weiter über Kontinentaleuropa getragen. Als die Wikinger England im 9. Jahrhundert eroberten und die Vorzüge der kleinen Pferde mit den bequemen Gängen erkannten, nahmen sie diese mit nach Island. Dort begannen sie mit einem ausgeklügelten Zuchtprogramm, die Gangvarianten Tölt und Pass zu fokussieren. Da die Wikinger bereits 938 das Gesetz erliessen, dass kein fremdes Pferd die Insel betreten darf, entwickelte sich eine Reinzucht und das mutierte Gen konnte sich innerhalb der Rasse festigen. Deswegen haben die meisten Isländer die Tölt-Veranlagung.

Allerdings hat nicht jeder Isländer das Talent zum Tölt oder Passgang, was auch nicht mit Training und Ausbildung erzwungen werden kann. Denn das mutierte DMRT3-Gen ist nicht bei jedem Isländer in dergleichen Weise vorhanden und ausgeprägt. Um sich einer Tölt-Veranlagung sicher zu sein, bietet sich ein Pferde-Gentest an, denn das Gen ist bereits von der Geburt an nachweisbar.

2. Wie viel kostet ein Islandsattel?

Günstige Modelle und Gebrauchtsättel sind bereits ab 500 CHF erhältlich, während neuwertige Markenprodukte preislich bis auf 3.000 CHF hinauf klettern können. Massanfertigungen können mehrere tausend Euro kosten. Der Preis entscheidet nicht ausschliesslich über die Qualität, sondern ist oftmals vom verwendeten Material abhängig. Ein Islandsattel aus Kunstleder ist günstiger als ein Gangpferdesattel aus Echtleder.

3. Ist ein teurer Islandsattel immer besser?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Natürlich hat Qualität ihren Preis, da beispielsweise Echtleder hochwertiger und langlebiger ist als Kunstleder. Ebenfalls entscheidend beim Preis ist, ob sich das Kopfeisen verstellen bzw. austauschen lässt und somit die Kammerweite an die Breite des Pferdes angepasst werden kann.

Ein Sattel muss vorrangig dem Pferd und zweitrangig dem Reiter passen. Der Preis hat erst einmal nichts mit der Passung zu tun, sondern nur mit der Qualität der Verarbeitung und den Materialien. Zu jedem Islandsattel gehört also ein guter Sattelservice, der den Sattel an das Pferd anpasst.

4. Was ist der Unterschied zwischen Islandsätteln und Englischsätteln?

Islandsättel haben im Gegensatz zu englischen Sätteln einen relativ weit nach hinten gelegten Schwerpunkt, um dem Islandpferd die hohe, weite Bewegung der Vorhand zu ermöglichen. Der Sitz ist sehr flach gehalten, um dem Reiter ausreichend Sitzfläche zu bieten. Ausserdem befinden sich die Steigbügelaufhängungen beinahe mittig, was den nach hinten gelegten Sitz des Reiters unterstützt. Das Sattelblatt des Islandsattels ist ähnlich wie bei einem Dressursattel langgezogen, ebenso werden die Steigbügel langgetragen.

5. Welche Alternativen gibt es für Islandsättel?

Isländer haben aufgrund ihrer besonderen Bewegungsabläufe in Tölt und Pass, wie auch durch ihren kleinen, stämmigen Körperbau mit kurzem Rücken Anforderungen an einen Sattel, die von denen anderer Pferderassen abweichen. Daher ist ein Gangpferdesattel für einen Isländer vorteilhaft.

Doch nicht jedem Islandpferd passt ein Töltsattel, genauso wenig wie sich jeder Islandreiter in einem flachen Gangpferdesattel wohl fühlt. Alternativ kann man auf einen Dressur- oder Vielseitigkeitssattel zurückgreifen. Wichtig hierbei ist, dass dieser nicht zu lange Sattelpolster hat, die auf die Lendengegend drücken. Ausserdem muss die Kammerweite so weit eingestellt sein, dass der Schulter des Pferdes ausreichend Freiheit zur Rotation gegeben und Bewegung der Vorhand nach vorne oben ermöglicht wird.

Ausserdem muss die Sitzfläche für den Reiter mehr werden, also der Sitz flacher, je grösser das Bewegungsspektrum des Pferdes ist. Wie bei jeder Sattelanpassung müssen also Pferd und Reiter in ihrer Gesamtheit und ihrem Zusammenspiel begutachtet und beurteilt werden und darau geschlossen werden, welcher Sattel als Alternative geeignet ist.

6. Wie schwer darf der Reiter für einen Isländer sein?

Die Frage nach dem zumutbaren Reitergewicht ist in den vergangenen Jahren heiss diskutiert und kritisiert worden. So kam die Faustzahl, ein Pferd dürfe nur maximal 10-15% seines Körpergewichtes auf dem Rücken tragen. Bei Islandpferden sieht man allerdings häufig Reiter obenauf sitzen, die über die 15% hinaus gehen. Bei Islandpferden hat sich der Richtwert von 20 % des körpereigenen Pferdegewichts etabliert. Denn bereits die ausgewachsenen Männer der Wikinger nutzten die kleinen, stämmigen Pferde als Lasten- und Nutztiere.

Isländer haben einen beinahe quadratischen, sehr kompakten Körperbau. Mit ihrem stabilen Fundament und der abfallenden Kruppe sind sie über die Jahrhunderte hinweg zu Lastentieren gezüchtet worden. Doch nicht nur ihr Körperbau spielt eine Rolle. Auch ihre Fitness und ihre körperliche Verfassung haben Einfluss auf das zusätzliche Gewicht, das sie fähig sind, ohne ermüden zu tragen. Zudem entscheidet die Gangart selbst und die gerittene Geschwindigkeit, wie viel das Pferd tragen kann. Ein Isländer, der in einem ruhigen Schritt geht, kann den Reiter längere Zeit ohne Ermüden tragen, als wenn er 100 Meter im Rennpass geritten wird, was ihn sehr anstrengt.

Weitere wichtige Einflussfaktoren kommen vom Reiter. Die körperliche Fitness als auch sein Sitz und seine Balance beeinflussen die Tragfähigkeit des Isländers.

Einen festen Richtwert vorzugeben, ist nicht sinnvoll, da zu viele Faktoren in die Bewertung einfliessen. Aktuell wird an der Tragfähigkeit des Islandpferdes geforscht. Mit Ergebnissen wird in den kommenden Jahren (Stand: 2021) zu rechnen sein.

7. Kann man Islandpferde dressurmässig/klassisch ausbilden?

Tölt und Pass müssen sehr gut vorbereitet werden. Man kann das Pferd nicht sofort in den Gangvarianten trainieren, wenn es überhaupt nicht die Muskulatur dafür hat. Oft entstehen dabei die Fehler, dass das Pferd in hoher Aufrichtung mit extremen Unterhals geritten wird, es eine schwache Oberlinie, schwache Hinterhand hat und es dadurch schnell zu Taktproblemen kommt.

Anstatt Probleme im Tölt direkt zu korrigieren, sollte ein Schritt zurückgegangen werden und der Fokus zurück auf die Basisarbeit gelegt werden. Auch wenn Isländer Gänge haben, die andere Pferderassen nicht aufweisen, müssen sie dennoch korrekt ausgebildet und aufgebaut werden. Da führt keine Überholspur an der klassischen Gymnastikarbeit (Travers, Renvers, Traversale, Schulterherein) vorbei. Denn die klassische Dressur ist grundsätzlich dafür da, das Pferd dazu zu befähigen, mehr Reitergewicht mühelos tragen und sich selbst ausbalancieren zu können. Mit einer guten dressurmässigen Arbeit entwickelt das Islandpferd eine korrekte Haltung, die nicht nur auf Gangpferdeturnieren wichtig ist. Es ist auch für die Gesunderhaltung des Pferdes von grosser Bedeutung.

Islandpferde lassen sich ebenso für die hohe Schule ausbilden. Allerdings kann die Ausbildung langwieriger als bei Dreigängern sein, weil vor allem der Körperbau des Isländers für die klassische Ausbildung hin und wieder im Weg stehen kann.

8. Warum eignen sich allein Fliegendecken nicht als ausreichender Schutz vor Insektenstichen?

Fliegendecken bestehen meist aus einem lockeren Mesh-Gewebe. Durch das Netzgewebe werden Insektenstiche in der Bewegung verhindert. Eine Fliegendecke eignet sich gut für Ausritte oder für nicht empfindliche Pferde auch für den Weidegang. Fliegendecken decken meist nur einen Teil des Pferdes ab und sind damit nicht für Pferde geeignet, die auf Insektenstiche eine allergische Reaktion zeigen.

Reagiert dein Pferd auf Gnitzen, Kriebelmücken und Co. über, sprich: es hat Sommerekzem, solltest du auf eine Ekzemerdecke zurückgreifen. Diese hat dieselben Absichten wie eine Fliegendecke, allerdings wird das Pferd komplett eingehüllt – von den Ohren über den Rumpf bis zur Schweifrübe. Manche Modelle haben sogar einen Beinschutz. Das Gewebe ist im Gegensatz zu einfachen Fliegendecken geschlossen bzw. engmaschiger und somit für die feinen Saugrüssel der Insekten undurchdringbar. Ekzemerdecken sind wesentlich robuster als übliche Fliegendecken und können daher auch rund um die Uhr getragen werden. Vor allem bei Ekzemern mit starkem Juckreiz ist eine robuste Decke, die weniger schnell reisst, zu empfehlen.

9. Haben Isländer, die in Deutschland geboren sind, weniger Ekzem als aus Island importierte Pferde?

Studien zufolge erkranken mehr direkt aus Island importierte Islandpferde, während das Sommerekzem bei in Deutschland gezogenen Pferden weniger häufig entsteht. Die Studienergebnisse ergaben, dass die höchste Überlegenheit bei importierten Islandpferden im Alter von 7 bis 15 Jahren lag. Dass vor allem importiere Isländer eine Allergie gegen Gnitzenstiche entwickeln liegt daran, dass diese Stechmückenart nicht auf Island vorkommt. Das Immunsystem der Pferde ist nicht auf die Verarbeitung der eingeflössten Allergene eingestellt und reagiert mit einer Überproduktion an Histamin, was den Juckreiz auslöst. Eine detailliertere Erläuterung, was Sommerekzem ist, erfährst du in unserem Sommerekzem-Ratgeber. Wenn du wissen möchtest, wie du deinen (importierten) Isländer vor Stechmücken schützen kannst, lies gerne hier weiter.

10. Ist isländische Wolle kratzig?

Islandwolle und damit der Island-Pullover kann anfangs recht kratzig sein. Vor allem, wenn der Pullover noch wenig getragen ist. Um ihn weicher zu machen, sollte der Islandpulli mit der Hand in lauwarmen Wasser mit einem Schuss Haarspülung gewaschen werden. Stecke deinen Island-Pullover niemals in die Waschmaschine, das kann die Wollfasern verfilzen lassen! Die Haarspülung sollte nicht im Pullover bleiben. Spüle den Wollpullover gründlich aus und drücke das überschüssige Wasser mit einem Handtuch aus. Anschliessend lass den Pullover am besten im Liegen trocknen.

Je häufiger der Island-Pullover getragen wird, desto weniger kratzig wird er.